Kalligrafie   Konzept    Beratung

 

Hi, ich heiße Marleen Krallmann und ich arbeite als selbstständige Kalligrafin in Kiel!
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 Gemälde-Beschilderung im Schloss Eutin

Im Juli habe ich einen schönen Auftrag vom Schloss Eutin bekommen: 16 neue Schilder orientiert an dem Stil der alten Schilder aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die alten Schilder ergaben in der Schrift verschiedene Varianten mit Spitzfeder geschrieben, meist annähernd die Englische Kurrent, wenn auch sehr viel fetter und gröber.
Ich habe mir also George Bickhams »Universal Penman« (1743) noch einmal genau angeschaut und mir eine Variante der englischen Kurrent für meine Schilder gestaltet. Das schöne, besondere »w« der alten Schilder mit dem »n« am Anfang habe ich von den alten Schildern übernommen. Um meiner Variante ebenfalls eine eigene Verzierung mitzugeben, habe ich in die Majuskeln kleine Tropfen eingebaut.

Ein Detail zu den Majuskeln der Spitzfederschriften

Eine Herausforderung war der Duktus der Majuskeln, da dieser in den Spitzfederschriften und den daraus resultierenden Bleilettern manchmal eine andere Gewichtung in den Stämmen haben als die Breitfederschriften.
Schauen wir uns die »A«s an: Bei einigen Spitzfederschriften ist die erste Diagonale fetter als die zweite oder beide gleich fett. Dagegen ist bei den Breitfederschriften, wie z.B. beim »A« einer Capitalis Monumentalis die zweite Diagonale fetter als die erste.
Dies ergibt sich daraus, dass beim Gebrauch der Spitzfeder beim Abstrich bei Druck eine fette Linie, aber bei Nicht-Druck auch eine Haarlinie entstehen kann. Der Unterschied zur Breitfeder ist also, dass jeder Abstrich mit der Spitzfeder je nach Druck fett oder schmal ausfallen kann. So entstanden verschiedene Duktus-Varianten des Spitzfeder-»A«s.
Am sinnvollsten erscheint mir letztendlich die Variante: Erster Abstrich dünn, zweiter Abstrich fett, da dies der Schreibweise der Breitfeder-»A«s entspricht und unser Auge daran gewöhnt ist.